Posten und Teilen

Wir haben uns gestern mit dem massenhaften Weiterleiten von lustigen Fotos, Filmchen und Videos per WhatsApp beschäftigt. Posten und Teilen scheinen unmittelbare Verwandte davon zu sein. Gertrude und ich haben uns vorgenommen, das Ganze einmal analytisch unter die Lupe zu nehmen. In letzter Konsequenz käme dabei sicher Bücherfüllendes heraus.

Dabei wollen wir niemandem zu nahe treten. Wir fühlen uns geschmückt, wenn uns täglich Fluten von Späßen jeglicher Art auf den Schirm kommen. Wir sind beliebt, man denkt an uns. Teilweise kriegen wir einzelne Machwerke und Kreationen doppelt und dreifach. Die stabile Athletin bei der Gymnastik mit Klorollen um die 6 mal. Herz, was willst Du mehr? Oder?

Ganz besonders reizt uns, die Beiträge einmal grob zu typologisieren und aus den diversen Schubladen auf den Versender zu schließen. Wer ist nur vereinzelt auf der online-Matte, wer 25 Stunden am Tag? Wer postet ungefiltert und wer themenfix? Schlüpfrig, tierlieb, verträumt, mitteilsam, niveauvoll oder auch eher dürftig-dünn? Rücksichtsvoll datenschützend oder eher naiv und locker über den Hocker?

Wie schon gesagt, jeder mache, was er will. Teils ist es ja durchaus unterhaltsam, wo man ansonsten zuhause einödet. Gesprächsstoff zu zweit, wo man ansonsten keinen hätte. Aber gelegentlich machen wir doch mal Augen und Ohren zu. Und dann muss eben wieder ein neues Sudoku herhalten.

Ganz abgesehen davon, dass andere derzeit leiden, schuften oder den Kopf für unsere Gesellschaft hinhalten müssen. Gertrude und ich sind Großeltern. Wir haben im Angesicht der Krise offenbar jede Entschuldigung, nicht zu müssen. So wohl, wie man annehmen könnte, fühlen wir uns damit allerdings auch nicht. Trotz Weiterleitung, Postens und Teilens. Genitiv.

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