Voltaren, Dulcolax u.Co.

Fernsehen ist für uns hintergründige Unterhaltung insofern,  als wir es eigentlich nur als Untermalung nutzen. Meeresrauschen ohne Meer. Vordergründig stricken wir, wir lösen Sudokus, lesen im Kindle-Buch und verschlafen im wahrsten Sinn des Wortes, wer nun wieder mal der Täter war. Anders gestern, als wir geduldig auf die Pressekonferenz der Bundeskanzlerin und die Heute-Nachrichten im ZDF warteten. Keine Wolle, kein Sudoku und nix Kindle.

So konnten wir der  in diesem gewaltigen Umfang offenbar üblichen Fernsehwerbung kurz vor 19 Uhr ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Was wir plötzlich viel nutzstiftender fanden als jeden Krimi oder danach eben auch die traditionelle Corona-Konferenz. Die Macher vom Fernsehen müssen gewusst haben, dass Trudchen und ich mit unseren diversen Gebresten vor dem Bildschirm hockten. Denn was da alles beworben wurde, passte wie die Faust aufs Auge.

Inkontinenz, naja, noch nicht. Rücken haben wir dagegen immer. Schlafstörungen von Zeit zu Zeit. Dulcolax, na klar.  Für die Zähne kann man nie genug tun. Ungewollte Rötungen auf der Backe können schon mal ein Problem sein. Und sicher ist es löblich, wenn das neue Kopfschmerzmittel die Sexualfunktion schont und frei von Parabenen ist.

Vielleicht gucken wir doch mehr Werbung als schlechthin gedacht. Lacalut hängt uns ehrlich gesagt zum Hals raus, die Billigmatratze für 199 Euro werden wir nicht kaufen und Voltaren ist auch so eine Sache. Freunde von uns schlucken das Zeug effektiv von morgens bis abends. Und selbst von Handball-Nationalspielern haben wir schon gehört, dass Voltaren zur Standardausstattung zähle.

Was wollen wir damit sagen? Irgendwer hat mir mal erzählt, dass man beim Lesen immer auch zwischen die Zeilen gucken sollte. Grundsätzlich ist Fernsehwerbung sicher nicht so spannend, dass man sie sich täglich stundenlang reinziehen muss. Aber gewisse Beobachtungen kann man da schon machen. Eine Theorie der Fernsehwerbung entwickeln. Oder künftig nur noch RTL gucken, wo ausgedehnte Werbung aus jeder Kurzdoku einen monumentalen Fernsehabend macht.

(Foto: Adobe-Stock 26054028; A_Bruno)

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