Tatort oder Pilcher ?

Wir gehören zur großen Mehrheit derer, die im Fernsehen in echt nur Büldung, Tagesschau, Wetterkarte und Kultur sehen. Unterhaltung kommt selbstverständlich nicht in Frage, wenn man mal vom Tatort absieht, der jahrzehntelang einen festen Platz in unserer Fernsehwoche hatte. Jetzt ist Schluss damit! Wir haben die Nase voll!

Gestern, Sonntagabend 20.15 Uhr: Demokratie stirbt in Finsternis. Wenn uns die Tagesschau schon in bitterer Gewohnheit das Leid dieser Welt vor Augen hält, brauchen wir nicht noch den anschließenden Tatort und Unterhaltungssendungen, um alle Tiefen menschlichen Seins auszuleuchten. Und das geht nun seit Jahren so.

Wahrscheinlich sind wir unterbelichtet, dass wir etliche Tatorte nicht einmal verstehen. Wer wünscht also derartige Unterhaltung, und wer produziert sie aus welchem Grund für wen? Das wäre doch mal eine großangelegte Umfrage wert.

Ist es die Ehrfurcht vor einer jahrzehntealten Tradition, die einen Tatort am Leben hält, den sich so ernsthaft keiner wünschen kann? Wir loben uns da alte Schinken wie Miss Marple und den Orient-Express, den man auch nach 10x Ansehen nicht satt hat. Und tausend Mal lieber sind uns selbst Barnaby, Mord mit Aussicht oder die Rosenheim-Cops: Frau Stockl und „es gibt a Leich“!

Zur Sicherheit werden wir uns jedenfalls eine Palette Pilcher-Filme auf Lager nehmen. Mehr als 100 Romane und Erzählungen der Autorin sind verfilmt worden, was für sämtliche Sonntagabende bis tief ins Jahr 2020 hinein ausreichen wird. Böse Überraschungen bleiben uns erspart. Der Ausgang ist von Anfang an bekannt. Und für die restlichen 89 Minuten kann man in aller Gemütlichkeit zum Sudoku greifen.

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