Sehr gerne, einen schönen Tach noch und “moin”

Wenn man ein Abendessen lang in einer miesen Spelunke verbringt, dabei von einem missmutigen Kellner betreut wird und mindestens 20 mal die Worte „sehr gerne“ hört, regt das an, intensiv einmal über Sinn und Wirkung von Floskeln und blödsinnigen Redewendungen nachzugrübeln.

Uns geht dieses “sehr gerne” schon seit langem absolut auf den Zeiger, wo wir mehr als Verlegenheit und gedankenlose Routine darin nur schwer erkennen können. “Sehr gerne” unterstützen wir die Ausbildung in der Hotel- und Gaststätteninnung darin, nach akzeptableren Alternativen zu suchen. Ideen und Kommentare dazu nehmen wir jederzeit gern entgegen.

Ähnlich stupide finden wir die allerortigen, permanenten Wünsche für “einen schönen Tach noch”, während uns das nordlichternde “moin” absolut begeistert. Morgens, mittags, nachmittags, abends und zur Geisterstunde “moin”. Das scheint uns nicht mehr sein zu wollen als das sparsame, karge “moin” eben. Was für uns tausendmal akzeptabler ist als anspruchsvolle Floskeln, die nicht halten, was sie versprechen. Oder?

 

2 Kommentare
  1. Michael Larsberg sagte:

    … na ja, bis vor 10/15 Jahren und der „Internationalisierung“ Berlins hörte man eben eher „Wat wollen se, Tschüs och oder eben gar nichts in der Servicewüste Berlin. Dann eröffnete „Mario“Livoreka
    nach seinem ersten Laden in Friedenau sein Restaurant in der Fasanenstraße und verdonnerte sein Service Personal zu ausgesuchter Höflichkeit welches sich hauptsächlich in dem nun geschmähten „sssehr gerne“ ausdrückte. Ja, es kann einem
    manchmal als Floskel auf den Wecker gehen aber ich bin Mario
    für ein bißchen amerikanische oberflächliche Höflichkeit in der
    Gastronomie dankbar. Allemal besser als im Ostteil der Stadt
    nur noch in Englisch angesprochen oder als Nichtstammgast
    ignoriert oder barsch abgefertigt zu werden.
    In diesem Sinne… Guten Appetit und sssehr gerne😀

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    • Carl Korsukéwitz sagte:

      … nur peripher und beiläufig auch nochmal etwas zur zunehmenden Englischsprachigkeit allerorten. Tatsächlich scheint uns auch diese Woge mehr oder weniger tsunamisch zu überrollen. Offenbar gips auch in den Startups, die Berlin so beleben, nix anderes mehr als Englisch. Wir schließen uns an, dass das auch uns wundert, und man sich fragt, ob das so sein muss.
      Wo meine Frau (29) und ich (immerhin 35) mittlerweile von jedem zweiten dahergelaufenen Kellner geduzt werden, haben wir uns damit angefreundet, mindestens ebenso intim zurückzuduzen. Was wir inzwischen dermaßen perfektioniert haben, dass unseren Kindern und Enkeln, so anwesend, die Ohren abfallen.
      Wir werden einmal internett klären, ob es zum Gesamtzusammenhang schon Literatur gibt. Wenn nein, übernehmen wir das zusammen mit Dir, Michael. Einverstanden?

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