Schöne Beschenkung?

Wir sind wieder einmal über Begriffliches gestolpert, woran die Marketingexperten von Kaufhof sowie Sylvie Meis Schuld tragen. Überall aus den Prospekten und Werbungen des Hauses plitzen uns derzeit weihnachtlich neben Sylvie die Worte „ Schöne Beschenkung“ entgegen.

Wie wir mutmaßen, umkurvt man hier absichts-, planvoll und ausdauernd den Begriff der „Bescherung“, was aber nicht nur Fürs, sondern auch Widers hat. Wir wollen das ganz kurz beleuchten:

Nehmen wir die „schöne Bescherung“, so ist diese üblicher- und erstaunlicherweise eher böse Überraschung als schöne Bescherung. Nimmt man das Adjektiv weg, kann es eigentlich nur noch schlechter als schöner werden, was die “Bescherung” – in dieser Betrachtung – tatsächlich zum Problemwort macht. Der Begriff ist noch zumal alt bzw. von gestern. „Ich beschere Dich“ würde einem kaum mehr über die Lippen kommen. Und auch die „Bescherung“ gibt es ausschließlich zu Weihnachten – bzw. eben nur als „schöne Bescherung“ auch unter dem Jahr – was für ein eigentlich gängiges Wort eine Seltenheit sein dürfte. Tatsächlich also gänzlich weg mit jedweder “Bescherung” und her mit der “schönen Beschenkung”? Zu Weihnachten und auch unter dem Jahr?

Natürlich ist das “Beschenken” allerorten gebräuchlich und jederzeit gang und gäbe; nur eben nicht die „Beschenkung“, die sich zwar nicht nur bei Kaufhof, sondern auch in Internet und wenigen Nachschlagwerken findet, nach unserem Eindruck aber nie redenswert zu Ehren gekommen oder gar Teil unseres täglichen Wortschatzes geworden ist. Was nun?

Vielleicht dürfen wir an dieser Stelle peripher anmerken, dass Sylvie ebensowenig unser Typ ist wie Helene. Und zu (zusätzlichen) Käufen bei Kaufhof wird uns auch die werbliche „Beschenkung“ nicht antreiben. Wir sind letztlich nur eben mal – minimaler Werbeerfolg – drüber gestolpert und würden eigentlich dabei bleiben wollen, in weihnachtlicher Abwägung der beiden Begriffe die „Bescherung“ auch künftig der „Beschenkung“ vorzuziehen.

Es dürfte keine Frage sein, dass gerade der Mensch in unserer Zeit Orientierung sucht. Wir helfen ihm nicht, wenn wir alles und auch herkömmlich Begriffliches umsäbeln. Noch zumal in überambitionierter Werbung, die letzten Endes auch nicht mehr Umsatz und Kunden bringt und insofern Schuss in den Ofen ist.

4 Kommentare
    • Carl Korsukéwitz sagte:

      Liebe Besucherin,
      ich freue mich immer wieder riesig über die praktisch weltweite Resonanz auf mein Blogging. Danke für das Lob, das ich nicht hoch genug einschätzen kann.
      Gruß
      Carl

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