Schmiermaus

Ich möchte hier einmal in aller Öffentlichkeit eingestehen, dass Trudel (29) das Gendern von ganzem Herzen begrüßt. Beispielsweise meint sie, dass es geradezu guttut, wenn die Nachrichtensprecher im Fernsehen nun auch differenziert Frauen adressieren. Sie bekäme hier und andernorts endlich die Anerkennung, die sie bei mir so endlos lange vermisst.

Insofern geistig vereint, waren wir beide geradezu schockiert, als wir am Sonnabend beim Brötcheneinkauf in HH-Niendorf das abgebildete Schild entdeckten. Diskriminierung, wie sie im Buche steht. Wir haben die Verkäuferinnen auf das Problem angesprochen, aber keine richtige Antwort erhalten. Noch eher hat man uns wohl überhaupt nicht verstanden.

Ja, Schmiermaus sei bei ihnen die halbtags beschäftigte Rentnerin von zwei Häuser weiter, die sich über die Begrifflichkeit diebisch freue. Sie schaffe Vertrautheit und Nähe. Schmiermaus, was wir denn hätten. Netter ginge es doch kaum.

Trudchen war für den Rest des Tages geplättet. Sie hat eine Familienpackung Beruhigungspillen geschluckt. Und von Brötchen in jedweder Form hat sie vorerst offenbar die Nase gestrichen voll.

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