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wirecard

Als langjähriger, umsichtiger Kaufmann hole ich gern auch einmal den Rat von Fachleuten ein. Von Aktien hatte ich bis dato keinerlei Ahnung. Immer wieder hatte ich bei meiner Hausbank gehört, dass sinnvollste Kapitalanlage eigentlich Aktien seien. Ein absoluter Liebling aller privaten Anleger sei der Anteilschein von wirecard.

Zwecks Diversifizierung meiner Geldanlage hatte ich mir also vor einigen Tagen 10 wirecard-Aktien zum Kurs von 95 Euro genehmigt, um heute zu meinem Entsetzen festzustellen, dass der Kurs binnen eines Tages von gestern auf heute auf derzeit 31 Euro gefallen ist. Meine Rechenkünste reichen aus zu erkennen, dass ich hier um die 65% Kursverlust einfahren werde, wenn ich die Teile heute wieder verkaufen würde. Glatte 640 Euro Verlust. Gertrude (29) macht mich zur Minna! Ein neuer Fernseher für Gertrude wäre zweifellos die bessere Geldanlage gewesen.

Will man allerdings vorausschauend agieren, kann die massenhafte Anschaffung von Fernsehern auch nicht die optimale Alternative sein.

Jedenfalls habe ich mich in dieser Sache, wie man das eben so macht, wenn man vorher zu blauäugig war, inzwischen weiter belesen. Und da kommen Zweifel, wie ein solches Unternehmen trotz jahrelanger Beobachtung durch die Presse und vieler öffentlicher Diskussion und Kritik so lange ungeschoren davon gekommen ist und tätig sein konnte. Wobei unseres Wissens am schrägsten ist, was sich um die zwei Tage vor der Explosion ereignet hat.

Hier ist breit durch die Presse gegangen, dass der Vorstandsvorsitzende große Insiderkäufe von wirecard-Aktien vorgenommen habe, die nicht angemeldet wurden. Was soll man davon halten? Da kauft Dr. Braun massenhaft eigene Aktien im Vorgriff auf die angekündigte Bilanzvorlage und weiß nicht, dass das ganze Unternehmen kurz vor dem Zusammenbruch steht. Gertrude (29) und ich können’s kaum glauben.