Schlagwortarchiv für: Wahlen

suum cuique

Wie gut, dass ich auch im Griechischen eine absolute Konifere gewesen bin. Irgendwie hätte ich dieser Tage die Erklärung der Weltpolitik verpasst. Suum cuique; jedes Land kriegt die Politiker, die es verdient. Ein alter, weiser Freund liess den Spruch los, und ich war begeistert. Genau; wir kriegen das, was wir wählen.

Zum Beispiel bei uns in Deutschland, aber auch in den USA und anderswo. Und irgendwie nährt das meine These, dass wir nicht ausdauernd an den Politikern, sondern an uns Wählern herumkritteln sollten. Was wählen wir da, und warum?

Nehmen wir da mal zunächst die Amerikaner, die ich schon irgendwo verstehe. Und bis zu irgendeinem Punkt. Man hatte die alte Politik satt. Und was mach ich dann. Ich wähle mal was Anderes,  das kann doch dann nur besser werden. Nur eine Garantie hat man dafür eben nicht. Und der eine oder andere Wähler wird sich jetzt möglicherweise ins Knie beissen.

Und wir Deutschen? Ganz so konsequent waren wir als Gesamtheit nicht. Stattdessen haben wir gestreuselt. Was schon vorher zu erwarten war. Es geht mindestens genauso irre wie vorher weiter. Und als Bundesdurchschnittsbürger frage ich mich, was Merz und Co. antreibt, sich dieses Vorhersehbare anzutun.

Jedem das Seine, wir haben es nicht anders verdient. Und die Frage ist nur, was wir a la longue daraus machen. Nix, befürchte ich einmal. Nicht zu glauben.

Fortsetzung folgt kürzlich…

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Qual der Wahl?

Die Bundestagswahlen dräuen. Trudel (27) und ich machen uns darüber sehr viel mehr Gedanken als früher.

Auch wir fragen uns, ob Deutschland tatsächlich so durchhängt, wie allenthalben zu vernehmen. Wie man am besten wählt, welche Besserungschancen bestehen, ob und wie wir persönlich zu dieser Besserung beitragen können, und wie wir demgemäß am besten wählen sollten. Wobei wir inzwischen immer wieder zum gleichen Fazit kommen.

Sicher interessiert es ja niemanden, aber wir bemühen Adam Riese. Mehr als 25% des Wahlvolks werden überhaupt nicht, weitere mindestens 25% Parteien wählen, die nach Stand der Dinge keine Chance auf konstruktive Mitwirkung haben. Was an Stimmen überbleibt, wird sich wieder so aufteilen und zerfleddern, dass straffes Regieren unmöglich wird. Wir kriegen eine fragwürdige Koalition. Eine große Opposition wird wieder nerven. Wieder wird alle Welt ausdauernd meckern. Volk und Journalisten. Selbstverständlich auch die, die Stimmenthaltung praktiziert haben. Und gemeckert wird natürlich wieder über die Politik, anstatt selbstkritisch über uns dämliche Wähler.

Stimmenthaltung ist für Trudchen und mich also ein Fremdwort. Wir gehen zur Urne oder machen Briefwahl. Und wir werden einen Deibel tun, eine Partei zu wählen, die um den Einzug in den Bundestag zittern oder unter normalen Umständen die Oppositionsbänke drücken wird. Anmaßend Denkzettel zu erteilen oder Weck-und Warnrufe auszustoßen, ist auch nicht unser Ding. Und wir wählen auch nicht wegen seiner schönen Augen unseren Lieblingspolitiker, sondern die Partei, mit der wir uns am ehesten solidarisieren können.

Was am Ende in jedem Fall wieder fehlen wird, sind Ideen und neue Wege. Einiges, was da von Trump und Musk zu uns herüberschwappt, würde Deutschland auch nicht schlecht zu Gesicht stehen. Wandel in Tippelschritten wird Deutschlands Probleme jedenfalls nicht lösen. Und vielleicht erwächst einer stimmengewaltigeren Regierung ja irgendwann auch einmal der Wagemut, alte, lästige Zöpfe mit Durchhaltekraft abzusäbeln. Hoffen wir’s Beste!

Wir empfinden jedenfalls keine Qual der Wahl, sondern huldigen standhaft der Überzeugung, dass überlegtes Wählen mit Sinn und Verstand der mindeste Beitrag ist, den wir für ein besseres Deutschland leisten können.

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(Foto adobestock 245965698 Marco Martins)

Super Denkzettel

Ich hatte hier bescheiden angeregt, zur Wahl zu gehen und keine kleine Partei zu wählen. Ich freue mich, dass etwa 50% meiner Leser dem gefolgt sind.

Weitere etwa 50% haben der akzeptablen Kandidatin Giffey einen Denkzettel verabreicht, sodass sie … die Schnauze jetzt gestrichen voll haben wird. Einen super Denkzettel will ich das mal nennen. Hervorragend. Schlimmer geht immer. Jetzt geht gar nix mehr …

Was ich zu sagen vergessen hatte, ist, dass die Stimme für die CDU zwar entweder ein Bekenntnis oder auch ein Denkzettel ist, aber ebensowenig nützen wird. Die Koalition hat jetzt zwar verloren, ist aber dennoch die Kombi, die die Gesamtwählerschaft offenbar bevorzugt. Schwierig. Wo es nun auch keine Nummer 1 mehr unter den Koalitionären gibt.

Und nun mal ran an Verwaltungsreform, Wohnungsmisere, Flüchtlingszustrom und, und und….

Übrigens hatten wir am gestrigen Wahlabend eher zufällig einen guten Freund aus dem gelobten Norwegen unter uns; der meinte, dass es in seiner Heimat auch diverse Parteien gäbe. Die hätten allerdings wohl einen sachdienlicheren Einigungswillen als die hier in Deutschland. Himmel hilf!!

(Foto adobestock 29389574; Mellimage)

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Wahlrecht oder Wahlpflicht

Ganz ausnahmsweise werde ich heute einmal zum Missionar. Ich empfinde im Wahlrecht nicht nur ein Wahlrecht, sondern eine Wahlpflicht. Aktuell bei uns in Berlin. Trotz Schlamperei beim letzten Durchgang.

Wir meckern von vorn bis hinten über unsere Welt. Wer zumindest gelegentlich einmal den Verstand einschaltet, wird sich immer wieder fragen, wo er seinen mehr oder weniger bemerkenswerten Beitrag zur Verbesserung dieser Welt leisten kann. Und dann verzichte ich doch zuallerletzt auf mein Wahlrecht.

Ich wähle übrigens vorzugsweise eine der großen Parteien, weil ich, noch dazu in unserer Demokratie, etwas gegen zuviel Streusel habe. Is doch logisch. Je mehr Parteien in einer Regierung sitzen, desto mehr faule Kompromisse werden geschlossen. Was wieder neue Meckerei schürt.

Wähle ich eine kleine Partei, besteht die Gefahr, dass sie überhaupt nicht zum Zuge kommt. Tut sie es doch, wird sie Entscheidungsprozesse lähmen. Wie auch strategisches Wählen nicht mein Ding ist. In unserem aktuellen Berliner Fall reichen mir CDU, SPD und Grüne als Alternativen aus.

Und ich komme noch einmal zum Verzicht aufs Wahlrecht. Wahrscheinlich ist es wie auch anderswo im Leben: Immer wieder hat man neu zu entscheiden, ob man am Ball bleiben oder denselben laufen lassen will.

Bis auf Weiteres plädiere ich mal fürs Dranbleiben.

(Foto adobestock 29389574; Mellimage)

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Das kleinste Übel

Es ist schon irgendwie seltsam. Wenn wir uns rückerinnern, haben wir uns bei früheren Wahlen sehr oft von den Protagonisten beeindrucken lassen und nicht so sehr auf deren Parteibuch gesehen. Gucken wir uns heute die drei Kandidaten an, gibts auch in der Presse keine mehrheitlich berückenden Zensuren: Scholz gehört nicht in die SPD, Bärbauch kann sich ohnehin den Kanzler abschminken, und Lascheck holt uns auch nicht vom Hocker.

Der durch seine Eloquenz berühmt-berüchtigte Gabor Steingart meint da heute einigermaßen folgerichtig, dass der Wähler diesmal sehr auf sich allein gestellt sei und sich letztlich für das kleinste Übel entscheiden sollte. Trudchen (29) und ich sehen das ähnlich. Aber was ist das kleinste Übel?

Wir wollen hier mit niemandem anecken und neutral bleiben; aber uns bei der Wahl zu enthalten, fiele uns im Traum nicht ein. Ich habe das Gymnasium vor gepeilten 50 Jahren vorzeitig mit 23 verlassen müssen. Und da hat uns unser Klassenlehrer schon damals eingebleut, dass Nichtwählen gar nicht geht. Aber was dann, wenn die Entscheidung so schwer fällt?

Wir haben uns hier schon einmal vor ein paar Tagen geoutet. Wenn sich voraussichtlich zwei Drittel des Wahlvolks für eine der drei großen Parteien entscheiden werden, ist nicht zu erwarten, dass meine Stimme für eine der Streuselparteien die Welt verändern wird. Wir erwarten dann eher noch mehr Durcheinander, Kompromisse, Halbherzigkeit und Richtungslosigkeit als bisher und werden aus diesem Grund Rot, Schwarz oder Grün wählen. Per Briefwahl. Zack! Geht doch!

Ich werde Trudel (29) persönlich mit unseren Stimmzetteln zum Wahlamt schicken, damit wir die Frist nicht überziehen.

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