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Den Opa machen

Auf vielfache Anregung aus dem Kreis unserer geschätzten Leser(-) und Besucherinnen geben wir heute den Startschuss für einen Kursus, der Interessenten die dänische Sprache näherbringen will. Wir starten mit einer durchaus anspruchsvollen ersten Lektion, indem wir die Frage beantworten, was der Däne wohl unter “den Opa machen” versteht.

Die Wendung ist im Skandinavischen offenbar sehr weit verbreitet. Auch Oma kann selbstverständlich den Opa machen. Womit ganz simpel und fast selbsterklärend das Nickerchen nach dem Mittagessen, also letztlich der Mittagsschlaf gemeint ist.

Aus Sicht von uns Großeltern ist mit diesem Begriff bereits ein Drittel oder Viertel des rentnerlichen Tagesablaufes im Griff. Während der Schlafenszeiten braucht man ohnehin kein Dänisch. Schon mit Englisch, Spanisch, Französisch, Russisch und den österreichischen Dialekten hatten wir wenig Probleme. Wir sind völlig perplex, dass offenbar auch die dänische Sprache keinerlei bemerkenswerte Hürde darstellt. Und das auf unsere älteren Tage!

Soweit wir die Zeit finden, werden wir in einem separaten Beitrag noch einmal auf den sachlichen Hintergrund dieser gebräuchlichen Wendung eingehen. Ansonsten freuen wir uns, den Kursus in Grundlagen der dänischen Sprache bei nächster Gelegenheit fortzuführen.

Claudia aus Brixen

Im Zuge der hier regelmäßig von uns angebotenen Sprachkurse möchten wir eine neue Beitragsreihe aus gegebenem Anlass österreichischen Dialekten widmen.

Eher zufällig haben wir Claudia aus Brixen kennengelernt, erfahrene Pädagogin an einer Grundschule in Kitzbühel, die auf Anhieb unsere außergewöhnliche Sprachbegabung identifizierte. Ob wir neben Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch usw. auch ein Ohr für österreichische Dialekte hätten, was für uns eigentlich ein Leichtes sein müsste.

Wir bejahten im Brustton der Überzeugung, haben uns aber schon an ihrem ersten Beispiel die Zähne ausgebissen:

Da Gschwinda, da Gsinda.

Wir mussten passen und bitten stattdessen die Besucherinnen und Besucher unserer Seite, uns denkbare Übersetzungen für diese Tiroler Wendung anzuliefern.

Claudia wird persönlich die treffendste Variante auswählen, die wir mit einer Karaffe Quellwasser nebst einer schmackhaften Apfelspalte honorieren wollen. Wir fasten gerade bei Kitzbühel.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Fachsimpeln

Wir finden, dass treffsichere Wortwahl begeistern kann. So lasen wir neulich weissichwo, dass ein kleiner Junge (5) abhanden gekommen und den verängstigten Eltern erst nach einigen Stunden von der Polizei zurückgebracht worden war. Man habe ihn gesund und munter auf einer benachbarten Tankstelle aufgefunden, wo er mit Autofahrern über Kraftfahrzeuge “gefachsimpelt” habe.

Wir vergeben hier kurzentschlossen mehrere Sternchen für die sympathisch-treffsichere Formulierung. Und nutzen die Gelegenheit, die Bedeutung von “Fachsimpeln” noch einmal unter die Lupe zu nehmen. Hat das etwas mit “simpel” oder “einfach” zu tun? Wohl eher nicht.

Ziehen wir das Pferd ausnahmsweise von hinten auf. Die größte Sünde, die man beim Fachsimpeln begehen kann, ist offenbar die, dies in Gegenwart von anderen zu tun, die vom Thema keine Ahnung haben. Es wird – kurz gefasst – exclusives Fachwissen so diskutiert, dass auch noch ein sozialer Nutzen dergestalt herausspringt, dass man sich in besonderer Weise zusammengehörig fühlt … und andere sehr schön ausgrenzen kann.

Als fachthematische Beispiele fallen uns von früher das Skatspiel und aktuell das Golfen ein, wo Gertrude (29) und ich uns bisweilen zu den leidtragenden Dritten zählen durften. (Ohne dass wir uns heute im Nachhinein etwa darüber beschweren wollen.)

Und nun kommen wir noch abwegig ins Schwafeln: Gestern lasen wir, dass ein (anderer) 5-Jähriger seinen Vater unter 110 bei der Polizei angezeigt hat, weil er zwiefach rote Ampeln überfahren hätte. Die Polizei konnte den Anrufer besänftigen und nach einigem Hin und Her zum Zurückziehen der Anzeige bewegen. Letztlich wohl auch irgendwo intimes insidiges Fachsimpeln.

 

Floskeln?

Es gibt Themen, die immer wieder einmal hochgespült und ebenso auch wieder untergewirbelt werden. Wir stießen bei Facebook auf folgenden Satz: Wissenschaftler hätten herausgefunden, dass die Worte “Bitte”, “danke” und “guten Tag!” nicht gesundheitsschädlich seien. Sicher. Schon mal gehört. Und eigentlich sogar durchgehendes Dauerbrennerthema.

Mir kam das gleich anschließend erneut hoch, als ich zusammen mit einem Unbekannten drei Stockwerke in einem Hochhaus per Fahrstuhl überbrückte. Grüßt man sich, Smalltalk aus der Hüfte, Schuhzubinden oder Nasepopeln? Verlegenheits- oder Höflichkeitsfloskeln?

Bei Begegnungen im Tennisclub fällt oft das flockige “hallo”, wo man sich früher einen guten Tag wünschte. Verabschiedet man sich von den Leidensgenossen, wenn man das ärztliche Wartezimmer verlässt? Nicht mehr weit ist in Berlin das nördlich-lockere “Moin” als Allzweckwaffe, das aber immer noch Verwunderung auslöst, wenn es abends oder gar nächtens über die Lippen kommt.

Geradezu wütend machen uns zugegebenermaßen die Autofahrer, denen man in einer engen Straße geduldsam die Vorfahrt lässt, ohne dass irgendein Zeichen des Dankes folgt. Wie das “bitte” oder “danke” übrigens auch bei unseren Enkeln und Enkelinnen noch ein Fremdwort ist. Früh übt sich.

Ist es besonders cool und eben Zeichen unserer Zeit, wenn man auf Höflichkeit pfeift und Verlegenheit verdrängt? Wir jedenfalls möchten dabei bleiben, dass wir andere so behandeln, wie wir selbst behandelt werden wollen. Wie es eine missmutige Verkäuferin im Laden oder der sauertöpfische Ober im Restaurant fertig kriegt, von morgens bis abends schlechte Laune zu verbreiten, wird uns ein ewiges Rätsel bleiben.

Und vielleicht – wir sind in Urlauben im Norden fast Fans davon geworden – ist das neutrale “Moin” doch ein Beispiel dafür, dass allerorten auch irgendein dünner Kompromiss eine gute Lösung sein kann. Bleibt nur die Frage, wie das kompromissliche “Danke” aus dem geschlossenen Auto heraus aussehen könnte. Mittelfinger zeigen?

 

 

Saure Gurken

Getrude (29) und ich langweilen uns derzeit. Das Wetter ist unter aller Kanone. Nix mit Schwimmen. Zum Sortieren unserer Briefmarkensammlung haben wir auch keine Lust. Also inhalieren wir einmal die BILD-Zeitung.

Wobei wir auf obiges BILDer-Rätsel stoßen und uns als alte Freunde von Sprache und Grammatik fragen, ob hier alles mit rechten Dingen zugeht. Deutschlehrer bitte melden! Enthält der Aufmacherartikel einen Fehler … oder eher nicht?

Wir warten gespannt auf Aufklärung.

 

Gefrickel

Wegen akuter rentnerlicher Arbeitsüberlastung werde ich möglicherweise erst morgen dazu kommen, mich in obiger Mission detaillierter auszulassen. Lesern und Besucher, die sich Ihrerseits auf meinen Beitrag vorbereiten möchten, anempfehle ich quasi als Appetizer den Leitartikel im heutigen Berliner Tagesspiegel vom 19. Juni 2019.

Kurz vor Ende des dritten Absatzes bin ich über das Wort vom “Gefrickel” gestolpert. Vom konkreten Sachinhalt des Artikels abgesehen – es geht um den überhitzten Berliner Wohnungsmarkt und die planvollen senatlichen Bemühungen um Abkühlung – , hat mich der Begriff sicher nicht nur peripher und beiläufig, sondern nachdrücklich tief beeindruckt. Ich werde ihn in meinen alltäglichen Wortschatz aufnehmen und bin Lorenz Maroldt dafür ganz recht herzlich dankbar.

Bitte, erwarte(n Sie) Recherche und Überlegungen zu Hintergrund, Historie, Sinn, Bedeutung und Verbreitung von “Gefrickel”. Sollte ich wider Erwarten partout keine Zeit finden, lohnt es sich mit Sicherheit, der Angelegenheit ersatzweise in Eigenregie nachzusteigen.

(P.S. Übrigens bemühe ich mich dieser Tage auch um Erstellung einer Statistik zur Verwendung des grandiosen Begrüßungswortes “moin” im Berliner Stadtgebiet und dessen Umgebung. Gertrude (29) und ich tragen seiner Universalität wegen und also aus praktischen Erwägungen schon jahrelang zu seiner Verbreitung bei. Eine augenfällige Häufung in den letzten Monaten schreiben wir nicht zuletzt unserem geradezu missionarischen Einsatz in dieser Sache zu.)

Schamröte

Ich bin seit fast 3 Jahren im Ruhestand. Jetzt muss es mal raus. Ich hab im Abi eine 1 in Deutsch gehabt. Und deshalb bin ich damals natürlich Deutschlehrer geworden. An der Grundschule wohlgemerkt, aber immerhin.

Ob meine Schüler über die Jahre vollauf von mir begeistert waren, möchte ich nicht beurteilen. Meinen Spaß an Sprachlichem habe ich mir auf jeden Fall bewahrt. Auch wenn ich mit den Hins und Zurücks der Rechtschreibregeln so ganz synchron nicht mitgegangen bin. Ich finde in jedem Fall, dass Sprache so etwas wie Musik ist; man kanns halt schwer beschreiben… und bisweilen wohl nur fühlen.

Hängengeblieben ist bei mir wie gesagt eine ganze Menge. Und einen echt roten Kopf habe ich gerade bekommen, als mir eine Besucherin unserer Website schreibt, dass sie ebenfalls Sprache liebe und deshalb täglich die FAZ und …. meinen Blog … läste.

Auwei, nun verschlägtst mir doch dieselbe. Späte Ehre. Vielen Dank.

P.S. ich gebe übrigens zu, dass ich beim Lesen von Büchern, Zeitungen und meiner hiesigen Beiträge oftmals über Zweifelsfälle der Rechtschreibung stolpere. Gern tausche ich mich dazu aus. Vielleicht bringen wir doch noch eine weitere Reform der Rechtschreibung auf den Weg.

Sintemalen Deutsch …

… vor Jahrzehnten eines unserer Lieblingsfächer in der Schule war, beschäftigen wir uns bisweilen immer noch gern mit unserer Muttersprache.

Immer noch machen wir dabei endlos Fehler, teils versehentlich, teils aber auch mit einiger Absicht, weil sie hin und wieder interessanten Gesprächsstoff liefern.

Besonders begeistert sind wir von neuen Wortschöpfungen jeglicher Art. Hier sind wir inzwischen so weit gediehen, uns so etwas wie eine Sammlung zusammenzustellen, über die wir gelegentlich berichten werden.

Eigentlich wollten wir unseren heutigen Beitrag mit dieser dünnen Ankündigung auch schon beenden, als eben der Postbote an der Tür klingelte und uns Post von der Bank übergibt. Beigefügt erhalten wir eine „Geeignetheitserklärung“. Das schlägt dem Fass den Boden aus; sind wir denn noch zu retten?