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Same procedure as every year

Irgendwie haben uns die Berliner Philharmoniker besser gefallen. Natürlich müssen die sich nicht mit einem störrischen Ball herumschlagen. Dafür gibt’s bei ihnen allerdings auch keine Halbzeitpause.

Jedenfalls hat die neue Heimsaison von Hertha genauso angefangen, wie die alte aufgehört hat. Totenstille und Schreckstarre im Olympiastadion. Und das eben leider nicht nur, weil sich lediglich 4.000 Zuschauer coronamäßig im weiten Rund verkrümelten. Wir könnten uns die Haare raufen.

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Herthas Start in die Saison 20/21

Tja, sagen wir mal so: Unsere Tickets für das erste Heimspiel haben wir. Aber was wird das werden in den nächsten zwölf Monaten? Und da sind wir ängstlich.

Schon das Pokalaus erinnert uns irgendwie an vergangene Jahre. Dann Sportdirektor Arne Friedrich im Interview auf der Parkbank. Der Mannschaft fehlten von vorn bis hinten Spielerpersönlichkeiten. Und die Seele.

Trainer Labbadia meinte dieser Tage, dass Boyata stiller Leader des Teams sei. Sowas haben wir nun allerdings auch noch nicht gehört. Boyata scheitere zwar daran, Deutsch zu lernen. Aber er übrzeuge mit seiner Persönlichkeit und seiner Allgegenwart. Nach Rückkehr aus der Verletzungspause.

Nach unserer Erinnerung sind in der kurzen Ära Klinsmann Millionen für neue Spieler ausgegeben worden. Wie denn? Und das langt immer noch nicht?

Gernot (94) und ich freuen uns jedenfalls auf übernächsten Freitag nachts zur Geisterstunde. Vielleicht werden wir ja eines Besseren belehrt.

Geisterspiele

 

Nachdem ich seit Wiederbeginn der ersten Bundesliga keine Begegnung im Fernsehen mehr ausgelassen haben dürfte, muss ich mich doch unbedingt noch einmal zum Thema Geisterspiele verlautbaren. Dediziert, dezidiert und dezimiert.

Zumal ab nächster Woche diese auch in der Basketball-Bundesliga anstehen. Gertrude (29) rauft sich jetzt schon die Haare, wo sie sich ausrechnen kann, dass unser Fernseher dann 24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche blockiert sein wird. Fast drei Monate lang haben wir uns mit minderbemittelten Beschäftigungen über Wasser gehalten. Jetzt kommt endlich wieder Leben in die Bude. Auch wenn uns die Fan-Gesänge fehlen.

Stattdessen umrahmen getürkte Pappkameraden das Spielfeld. Beifall der Zuschauer auf Wunsch aus der Konserve. Und was die Spieler motiviert, sich die Lunge aus dem Hals zu rennen, verschließt sich uns. Bessere Trainingsspiele eigentlich, aber damit hat die BL offenbar trotzdem den internationalen Vogel abgeschossen. Wenn Corona nicht noch in den letzten 5 Spieltagen zuschlägt.

Spezifisches Finesse von Geisterspielen ist wie gesagt, dass es am Austragungsort wenig oder keine Zuschauer gibt. was der Stimmung erheblichen Abbruch tut. Der Stimmung der Protagonisten und ihrer Entourage, insbesondere des Schiedsrichters, aber eben auch von uns draußen vor dem Bildschirm. Auf Sky kann man deshalb Applaus und Gejohle aus der Konserve zuschalten, was die Sache aber auch nicht wesentlich besser macht. Wir sind trotzdem froh, dass die sportlose Zeit wieder vorbei ist und hängen nunmehr wieder ausdauernd vor dem Fernseher. Die ersten Geisterspiele der Basketballer haben wir auch schon verfolgt. Wir sind ganz sicher, dass Alba Meister wird und das Doppel holt.

Dass die kapitalkräftige Fußball-Bundesliga wieder einmal den Vogel abgeschossen hat, bekümmert uns zwar ein wenig. Immerhin ist Basketball jetzt mit im Boot. Schade nur, dass andere nicht ebensolche Konzepte vorlegen konnten, sondern stattdessen die Saison abgepfiffen haben.

Begeisterung

Schon mehrfach haben wir an dieser Stelle angemerkt, dass Sprache eine besondere Disziplin für uns ist. Das Wort “Begeisterung” hat für uns gestern einen viel inhaltstieferen Sinn erhalten: Wir waren nur “im Geist” im Stadion und trotzdem hin und weg.

Besser kann man unseren Gemütszustand kaum umschreiben. 8 Wochen lang hatten wir zwecks Strukturierung unseres Alltags vormittags je ein Basketballspiel und um 18 Uhr je ein Fußballspiel aus den Fernsehkonserven genossen. Große Siege und Niederlagen der vergangenen 30, 40 Jahre sind noch einmal aufgelebt, was zumindest besser war als immer nur Pilcher und Inga Lindström.

Nun hat gestern alle Welt im wahrsten Sinne vor dem Bildschirm gehangen, um mitzuerleben, wie sich eine aktuelle Sportübertragung anfühlt. Und wie die geschundene Hertha 3 Punkte in Hoffenheim holt.

Warum Herthaner sich nach erfolgreichem Torschuss abknutschen, wir aber unsere alte Omma nicht im Stift besuchen dürfen, verschleusst sich uns zwar; immerhin ist Hertha der Abstiegszone ein weiteres Stück entronnen. Man präsentiert ohne Unterlass prominente Persönlichkeiten im Umfeld der Mannschaft. Wollen wir sehen, was uns Fans Labbadia und Lehmann bringen.

Hertha 3:0, Dortmund 4:0. Jetzt muss nur noch Union die Bayern umnieten. Was im Geiste sehr wahrscheinlich ist.

Löwenherz

Wir wollen hier künftig nicht mehr über Fußball und Basketball sprechen, sondern wieder vermehrt unseren ureigenen Bildungsansprüchen gerecht werden. Lediglich heute noch einmal ganz kurz zu Hertha.

Nun sind ein Eigentor, ein Zufallstreffer und ein Elfmeter noch nicht unbedingt grandioser Leistungsnachweis, Zeichen von reanimierter Moral allerdings schon … Die Truppe hat echt Löwenherz bewiesen. Sagen wir jedenfalls mal.

Wir haben das Ganze vor dem Fernseher verfolgt und das Abendessen schießen lassen.

Wieder ein Punkt mehr auf dem Konto.

 

 

Liebe Mitgliederinnen!

Soeben erhalten wir per Mail ein Mitgliederrundschreiben von Hertha BSC, in dem sich der Präsident mit den aktuellen Verlautbarungen und Anschuldigungen von Jürgen Klinsmann auseinandersetzt. Anrede: Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder!

Was das Inhaltliche anbelangt, werden die negativen Äußerungen Klinsmanns über den Verein als falsch bzw. unsinnig zurückgewiesen. Was nicht anders zu erwarten ist. Immerhin veranlasst uns der Gesamtzusammenhang im Folgenden ganz ausnahmsweise einmal zu einem etwas längeren Elaborat.

In unserer Eigenschaft als Gutmenschen streben wir schon von jeher ausdauernd nach ausgewogener, objektiver und gerechter Bewertung, wobei wir unsere Ohren nach allen Seiten spitzen. Was in unserer heutigen Zeit nicht immer etwas nützt, wo Wahrheit und Fake oftmals kaum mehr auseinanderzuhalten sind. Wer sagt die Wahrheit, wer redet Quatsch?

Im Streit haben zumeist alle Beteiligten eine Teilschuld. Im Fall Klinsmann haben wir uns dafür entschieden, seinen Abgang in Berlin für absolut unmöglich zu halten. Diverse Spielzeiten lang haben wir uns über die Mannschaft geärgert. Die neuen Visionen von Windhorst und Klinsmann hatten uns geradezu elektrisiert. Nun der unrühmliche Abschied und offenbar totales Durcheinander. Und die Befürchtung, dass jetzt wieder der alte Trott einreißen könnte. Einmal abgesehen davon, dass Klinsmann in Fußball-Deutschland wohl auf ewig versch…. haben dürfte.

Das zur Sache, und nun noch zu den „Mitgliederinnen“. Gertrude (29), die übrigens auch zahlende Mitgliederin bei Hertha ist, und ich tun uns von jeher schwer mit der Tendenz, Frauen zur Gleichberechtigung zu verhelfen, wo das effektiv entbehrlich ist. Wir mochten die Chearleader bei Alba. Und im Fall der Mitgliederinnen meinen wir, dass dieser Ausdruck absolut Grotte, wenn nicht sprachlich sogar komplett falsch ist.

Wir unterstellen einmal, dass Präsident Gegenbauer mit dem Begriff humorvoll auflockern wollte, was ja auch schon mal etwas Positives in düsterer Situation ist. MS Word zeigt bei der Verwendung von „Mitgliederinnen“ keinen Fehler an. Dagegen meint der Duden, dass das Wort Mitglied keine typische Personenbezeichnung sei, an die ein „-in“ für die feminine Gleichberechtigung angehängt werden könnte. Vielmehr ist es ein Neutrum, niemand wird diskriminiert, die Anrede „liebe Mitglieder“ reicht also aus, wenn die Sache nicht ins Alberne abgleiten soll.

Was lernen wir daraus? Die Situation bei Hertha scheint einigermaßen verfahren. Es bleibt spannend, welcher Weg aus dem aktuellen Dilemma führen soll und wird. Humor allein wohl eher nicht.

0:5 – wir waren dabei

In der uns ureigenen Objektivität müssen wir zugeben, dass uns die um Klinsmann verkündeten Visionen und Ziele von Hertha ganz außerordentlich gefallen haben und letztlich immer noch gefallen. Angesichts der tristen letzten Jahre empfanden wir sie irgendwie als Verheißung oder Erlösung. Hinsichtlich der neuen tragenden Figuren bei Hertha hatten wir von Anfang an eher Zweifel. Und die wilde Verlautbarung und Entschlossenheit, die neuen Zukunftspläne angehen und per sofort das Unterste zuoberst drehen zu wollen, haben wir bewundert, aber doch irgendwie ungläubig zur Kenntnis genommen.

Wenn wir jetzt noch die beiden Niederlagen gegen die abstiegsgefährdeten Mannschaften aus Mainz und Köln quasi hautnah im Stadion miterlebt haben, werden wir die Furcht nicht los, Zeuge eines Fußball-GAUs sondergleichen und eines totalen Durcheinanders (übrigens auch an Spielern) zu werden. Wohl alle Fans haben sich nach den letzten Jahren einen Wandel gewünscht. Dass es so schwer werden würde, aus einer nachvollziehbaren Vision den allseits ersehnten Quantensprung zu entwickeln, dürfte nur wenigen in den Kopf gekommen sein.

Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen. Im groben Ansatz ist dieser Gedanke von Hermann Hesse sicher richtig. Seine Grenzen zeigen sich allerdings am Berliner Beispiel.

Aufgeben oder nicht?

Vor Jahresfrist hatten wir uns schon einmal vergeblich vorgenommen, Ordnung in unsere Briefmarkensammlung zu kriegen. Und die Jahre davor auch. Beesonders angeknockt waren wir, als wir auch noch in Erfahrung bringen mussten, dass Briefmarken keine Sau mehr interessieren und somit letztlich auch nix mehr wert sind. Irgendwie haben wir trotzdem noch Hemmungen, die Staubfänger in den Müll zu geben oder gar zu verschenken. Vielleicht ist ja doch noch die Blaue Mauritius darunter. Also, wir zögern jedenfalls.

Frau Kramp-K. hat sich für ihre Entscheidungen auch etwas mehr Zeit gelassen. Klinsi war da schneller. Und nun fragen wir uns einmal mehr, ob eine Ende mit Schrecken wirklich immer besser ist als ein Schrecken scheinbar ohne Ende.

Was unsere Briefmarken anbelangt, geht es um die Frage, ob uns zwei leere Regale besser gefallen als die abgebildeten Albenrücken. Bei Frau Kramp hatten sich letztlich etliche Argumente angesammelt, um den Hut zu nehmen. Während man sich bei Herrn Klinsmann fragen kann, ob ein wenig mehr Stehvermögen den entstandenen Schaden hätte begrenzen können.

Noch viel wichtiger scheint uns – und ansonsten wären wir eben auch nicht wir – ob nicht Presse, Öffentlichkeit usw. etwas mehr Geduld entwickeln sollten, wo Neuanfänge gestartet werden, wenn der kurzfristige Rücktritt nicht Mode machen und zum Standard werden soll.

Die Hoffnung darauf und das Bemühen darum mögen zwar inzwischen geradezu utopisch anmuten, anders werden wir unsere verrückte Welt aber kaum mehr einfangen können.

Über meine Erwägungen komme ich dazu, dass ich meine Blaue Mauritius wohl doch verschenken werde. Interessenten können sich schon einmal per kurzer Mail unverbindlich vormerken lassen.

Hertha, was nun?

Wir sind seit vielen Jahren Mitglied und Jahreskartenbesitzer bei Hertha und Etliches gewohnt. Augenblicklich trösten uns zugegebenermaßen nur noch Alba und Union. Immerhin und gottseidank.

Was Hertha betrifft, haben wir gerade die heutige Pressekonferenz von Gegenbauer, Preetz und Windhorst verfolgt. Klinsis Abgang fanden wir unterirdisch. Hertha einmal neuen Atem einzuhauchen, hatte uns dagegen schon elektrisiert. Ob die große Wende jetzt noch kommen wird, oder Hertha weiter fußballdörflichen Einheitsbrei servieren wird, scheint uns jedenfalls mehr denn je in den Sternen zu stehen.

Übrigens sind wir eine Truppe von 10 Fans, die seit Jahren kaum ein Heimspiel auslassen. Wir sind uns darin einig, dass uns die letzten Saisons selten einmal vom Hocker geholt haben. Und wollten wir es zugeben, würden wir sagen, dass uns die Saison in der zweiten Liga am meistern Spaß gemacht hat.

Ein überfälliger Quantensprung muss sicher lauthals verkündet und nachhaltig angepackt werden. Bei Klinsi klang uns das allerdings schon damals nicht ausreichend glaubhaft. Eher ein wenig …breiig … und gebetsmühlenhaft. Mal sehn, wie die Reise nun weitergeht. Derzeit scheint uns jedenfalls kein Stein mehr auf demselben zu stehen. Was ja nicht grundsätzlich schlecht sein muss.

 

Hertha

Unserer Hertha springt einem überall ins Gesicht, nur leider nicht da, wo man sie gern hätte: Auf einem sicheren Tabellenplatz.

Um uns nicht misszuverstehen, wir sind seit Jahren Mitglied und Dauerkartenbesitzer und absolute Fans. Anfangs der Saison erwarteten wir angesichts der Zusammensetzung der Mannschaft geradewegs, dass Hertha europäisch mitspielen könnte. Die Diskussion um den Stadionbau. Ablösung Dardai durch Covic aus eigenen Reihen. Plötzlich Sponsor diskussionswürdiger Herkunft und ein reichlich überdimensioniertes Trainerteam. Eine Überraschung (und Kehrtwendung?) nach der anderen. Und eine Niederlage nach derselben.

Wir bleiben Optimisten. Aber ganz leicht macht es uns die alte Damen nicht. Und ganz gelegentlich denken wir an die Saison in der zweiten Liga zurück. Wir konnten Siege feiern. Und leerer war das Olympiastadion auch nicht.