Roncalli

Wir möchten uns hier weder als Nestbeschmutzer, noch als Tierquäler oder unbelehrbare Querulanten outen. Aus Tradition bleiben wir sicher auch Fans von Roncalli. Aber die gestrige Nachmittagsvorstellung im Berliner Tempodrom fanden wir letztlich doch recht fad. Woran lag‘s?

Wahrscheinlich in erster Linie daran, dass wir unsere erste Roncalli-Vorstellung von vor gepeilten 36 Jahren in München nie vergessen werden. Entdeckt hatten wir das eindrucksvoll beleuchtete Zelt damals eher durch Zufall. Schnell waren drei Karten für unsere kleine Enkelin und uns gekauft, um dann von der ersten bis zur letzten Minute absolut gefesselt zu sein; von der Zirkusatmosphäre, vom Zirkusdirektor Paul als Clown, von PIC mit seinen traumhaften Seifenblasen und, und, und…

Das Tempodrom als aktueller Berliner Austragungsort gefällt uns durchaus, die Parkplatzprobleme in der Umgebung schon weniger. Stimmung und Verkaufsstände vor und in der Halle erinnern zwar an damals, die Preise für Popcorn, Eis, Getränke usw. eher nicht. Und was dann während gut zweieinhalb Stunden folgte, hat weder uns, noch unsere kleine Tochter vom Hocker geholt.

Die wesentlichen drei oder vier Nummer an unterschiedlichen Trapezen und Hochseilen ähnelten einander sehr, das Orchester war zu laut, der Weißclown statt eines moderierenden Zirkusdirektors blieb blasser als weiß, immer wieder aufs Neue umherstolzierende Ballettdamen bzw. Nummerngirls mögen wir selbst in der Boxarena nicht, und irgendwie hatten wir das Gefühl, dass wenige (sicher großartige) Artisten immer wieder in neue Gewänder schlüpften und die nötige Abwechslung darüber fehlte. Der zweite, erste Clown als gar nicht so dummer dummer August und ein imposanter Roboter in Form eines sich bewegenden Turngerüstes haben uns den Besuch nicht gerettet.

Wenn große und Wildtiere heute tierschützerlich aus dem Zirkus verbannt werden, ist das vermutlich in Ordnung. Irgendetwas fehlt dann aber ebenso sicher. Und drei bellende Pudel im Röckchen hätten unsere Stimmung sicher mehr befördert als das überdimensionale Nilpferd aus Pappmaschee.

Was wir im Internet an überschwänglichen Rezensionen lesen, widerspricht unserem Eindruck ehrlicherweise diametral. Vielleicht hatten wir einen schlechten Tag. Ganz in der Entfernung haben wir Freunde von uns in einer anderen Reihe sitzen sehen. Sicher werden wir noch hören, wie denen der Nachmittag gefallen hat.

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