Kraulen

Unser bester Freund Gernot (2m, 110 kg, 72 Jahre) krault. Leidenschaftlich. Sehr sportlich. Im Wasser. Wahnsinn! Wir nehmen uns das jetzt auch mal vor.
Vor drei Jahren hatte er von Tuten und Blasen noch keinen Schimmer; außerdem einen auffälligen Hängebauch. Mit seiner freundlichen Genehmigung dürfen wir im Folgenden kundtun, wie sich die Sache entwickelt hat.
Irgendwie hat er schon immer kraulen wollen, es aber nie gepackt. Was offenbar viele in unserem Umfeld nachempfinden können, die nicht kraulen können, aber kraulenkönnen wollen und Gernot hören. Gernot ist von jeher das personifizierte Phlegma. Nur dem Triezen seiner Frau Gertrude (29) verdankt er den Sprung ins Wasser und die Entscheidung, sich bei den Berliner Bäderbetrieben Ende 2016 für bezahlbares Geld einen Trainer zu engagieren. In irgendeiner Gruppe wäre das wohl auch gegangen.
Gernot wäre nicht Gernot, wenn es nicht geschlagene 2 Jahre gedauert hätte, bis er eine erste Minimalahnung vom Kraulen erlangte. Jeder Durchschnittsaspirant hätte das auch in 6 Monaten geschafft. Kernproblem war der Umstand, dass Gernot keine Luft bekam, also lange Zeit falsch atmete, und endlos lange schon nach 15m schlapp machte. Wesentlicher Ratschlag des Trainers in dieser Zeit und vom Beckenrand: Üben, üben, üben! Dran geglaubt hat Gernot nicht, was die Sache zusätzlich in die Länge gezogen hat.
Erst jetzt in 2019 ist der Knoten geplatzt. Fast jeden Tag bin ich eine Stunde geschwommen. Dabei unterbrochen von Rücken- oder Brustschwimmen mindestens 500m Kraulen. Und das Ganze kommt mir mittlerweile vor wie ein Kinderspiel.
Ich lege mich der Länge lang aufs Wasser, paddle geruhsam mit den Armen und halte mich durch einschlägige Fußbewegungen an der Oberfläche. Keine andere Schwimmart scheint mir heute so ökonomisch wie das Kraulen.
Mein Schwimmbad hat 50m-Bahnen, für deren Bewältigung ich in den ersten zwei Jahren um die 65 quälende Armzüge gebraucht habe; inzwischen sind‘s nur noch rund die Hälfte. Nicht zu glauben! Glücksgefühle!
Mein nächstes Ziel ist, 500m in einem Stück zu schaffen. Das sollte noch im laufenden Jahr klappen.

Einschlägigen Nachhilfeunterricht verabreiche ich auf Anfrage gern. Honorar nach Vereinbarung. Wobei ich bestätige, dass man um regelmäßiges Üben tatsächlich nicht herumkommt. Nur so gewinnt man einen stetig wachsenden Eindruck von dem, was Kraulen ausmacht und was man weiterentwickeln muss, wenn man sich am Ende belohnen will.

Inzwischen könnte ich darüber ein Buch schreiben.

Übrigens: Mein Hängebauch ist weg.

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