Höflichkeit ist eine Zier

…doch weiter kömmt man ohne ihr??

Wir haben hier sicher schon einmal fallen lassen, dass Gertrude 29 ist. Ich bin unwesentlich älter. Irgendwie betrachten wir uns letztlich fast als Kinder der Jetztzeit. Vielleicht sind wir nicht modern, aber überkonservativ sind wir auch nicht. Und da bin ich nun gestern im Wartezimmer von unserem praktischen Arzt wieder einmal ins Grübeln gekommen.

Der gute Doktor hatte offenbar Zeit und Lust. Er hielt sich endlos lange mit jedem einzelnen Patienten auf. Wir Wartenden waren darüber glatt auf 8 oder 10 angewachsen. Wir unterhielten uns lebhaft und erfrischend, Männlein und Weiblein, Jung und Alt, und kannten bald bestens unsere allseitigen Gebresten. Die Zeit verging wie im Fluge.

Da plötzlich gesellte sich uns ein weiterer Patient hinzu, zwischen 25 und 30 vielleicht, griesgrämig und ohne jeden Gruß, die Kopfhörer in den Ohren und das Handy in den Händen, nachdem er noch einen leeren Stuhl gefunden hatte. Unser Gespräch verstummte, und wir Erstgekommenen sahen uns nur noch bedeutungstief gegenseitig an.

Nun kann man fragen, warum wir uns stattdessen nicht weiter über Fußpilz und Mandelentzündung unterhalten haben. Alternativ kann man auch feststellen, dass Höflichkeit und Freundlichkeit eben nicht jedermanns Sache sein müssen. Dass aber die, die das anders handhaben, gottseidank wohl noch in der Mehrheit sind.

Gertrude und ich wollen jedenfalls weiter einschlägig missionarisch aktiv bleiben. Auch wenn dabei gelegentlich nur ein bündiges “Moin” oder ähnliche inhaltsleere Höflichkeitsfloskeln herausspringen.

(Unsere einschlägige Beitragsreihe wird nach Bedarf fortgesetzt!)

2 Kommentare
    • Carl Korsukéwitz sagte:

      Lieber Henrik,
      danke für Engagement und Kommentar. Zugegebenermaßen spiele ich gern mal mit der Sprache. Und hier lag ich laut diversen Quellen in Imternet offenbar nicht völlig schief.
      Nach meiner Deutung sind Gebresten und Gebrechen tatsächlich dasselbe, wobei Gebresten ein leicht veralteter bzw. wohl schweizerischer Ausdruck ist.
      Da ich selbst mittlerweile über 40 bin, kann ich dann also auch einen eigentlich überholten Begriff mal in den Mund nehmen.
      Ansonsten freue ich mich auch auf weitere Kommentare von Dir.
      Gruß
      Carl bzw. dickerwirt

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