Floskeln?

Es gibt Themen, die immer wieder einmal hochgespült und ebenso auch wieder untergewirbelt werden. Wir stießen bei Facebook auf folgenden Satz: Wissenschaftler hätten herausgefunden, dass die Worte “Bitte”, “danke” und “guten Tag!” nicht gesundheitsschädlich seien. Sicher. Schon mal gehört. Und eigentlich sogar durchgehendes Dauerbrennerthema.

Mir kam das gleich anschließend erneut hoch, als ich zusammen mit einem Unbekannten drei Stockwerke in einem Hochhaus per Fahrstuhl überbrückte. Grüßt man sich, Smalltalk aus der Hüfte, Schuhzubinden oder Nasepopeln? Verlegenheits- oder Höflichkeitsfloskeln?

Bei Begegnungen im Tennisclub fällt oft das flockige “hallo”, wo man sich früher einen guten Tag wünschte. Verabschiedet man sich von den Leidensgenossen, wenn man das ärztliche Wartezimmer verlässt? Nicht mehr weit ist in Berlin das nördlich-lockere “Moin” als Allzweckwaffe, das aber immer noch Verwunderung auslöst, wenn es abends oder gar nächtens über die Lippen kommt.

Geradezu wütend machen uns zugegebenermaßen die Autofahrer, denen man in einer engen Straße geduldsam die Vorfahrt lässt, ohne dass irgendein Zeichen des Dankes folgt. Wie das “bitte” oder “danke” übrigens auch bei unseren Enkeln und Enkelinnen noch ein Fremdwort ist. Früh übt sich.

Ist es besonders cool und eben Zeichen unserer Zeit, wenn man auf Höflichkeit pfeift und Verlegenheit verdrängt? Wir jedenfalls möchten dabei bleiben, dass wir andere so behandeln, wie wir selbst behandelt werden wollen. Wie es eine missmutige Verkäuferin im Laden oder der sauertöpfische Ober im Restaurant fertig kriegt, von morgens bis abends schlechte Laune zu verbreiten, wird uns ein ewiges Rätsel bleiben.

Und vielleicht – wir sind in Urlauben im Norden fast Fans davon geworden – ist das neutrale “Moin” doch ein Beispiel dafür, dass allerorten auch irgendein dünner Kompromiss eine gute Lösung sein kann. Bleibt nur die Frage, wie das kompromissliche “Danke” aus dem geschlossenen Auto heraus aussehen könnte. Mittelfinger zeigen?

 

 

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