Event-Fans

Gertrude (29) und ich sind bekanntermaßen um ausgewogene Allgemeinbildung bemüht, speziell um unsere, im besten Fall aber auch die der geschätzten Abonnenten, Besucher und Leser unserer Website. Und hier stößt uns dieser Tage der Begriff der “Event-Fans” auf, na klar, kurz vor Beginn der Frauen-Fußball-WM. Was sind also solche? Im Gegensatz zu Fußballfans.

Zuallererst fallen uns in diesem Kontext die Zuschauer und Zuhörer in unserer Berliner Philharmonie ein, die bei jedem prominenten Konzert – zumeist in feinstem Zwirn und mit Schlips – mühsam und linkisch nach ihren Plätzen in den ersten Reihen suchen und Anna Netrebko und Anne-Sophie-Mutter nur mit letzter Not auseinanderhalten können. Nicht Konzert- sondern Event-Fans, sie kommen nicht, um Mozart und Hindemith zu genießen, sondern zum Sehen und Gesehenwerden. Ähnliches droht jetzt auch wieder dem internationalen Frauenfußball.

Von Tuten und Blasen keine Ahnung, aber mitten im Gedränge. Statistikverfälschenderweise; denn alle Welt und jede Zeitung wird in Kürze wieder behaupten, dass der Frauenfußball drauf und dran ist, den der männlichen Kicker einzu-, wenn nicht zu überholen.

Natürlich ist es obersupi, von jedem Gastronomen gebusselt zu werden, Pietro zu duzen und VIP in der Pizzeria um die Ecke zu sein. Irgendwie hat es der “Event-Fan” bislang aber nur in die Enzyklopädie von Stupid- und noch nicht von Wikipedia gebracht, was unsere Meinung stützen könnte, dass der Event-Fan eher zwanglich getrieben und nur der fachlich festgelegtere Fan echter Genussmensch ist.

Entsprechend kritisch äussern sich namhafte Handballer, Frauenfußballer, Basketballer usw., die bemerkenswerter Publikumsgunst bei spektakulären Ereignissen nicht nachhaltig über den Weg trauen. Gertrude (29) und ich freuen uns in jedem Fall auf die Damen-WM. Und unsere Vuvuzela von 2009 haben wir auf dem Hängeboden auch schon wiedergefunden. Fußballfans, wie sie im Buche stehen.

 

 

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