Bürokratie

Der Schuldige ist identifiziert und decouvriert. Schuld an der heterogenen deutschen Gegenwartsmisere ist allenthalben die aufgeblasene Bürokratie. Einst Alleinstellungs- und Qualitätsmerkmal, heute Hemmnis, wohin man schaut. Und wozu nun auch wir uns einmal unsere ganz persönlichen Gedanken machen.

Als ich vor wenigen Jahren einen guten Freund gesprächsweise fragte, wir er denn mit Handwerkerrechnungen, Korrespondenz, Kontoauszügen usw. umginge, meinte er salopp, dass er alle Unterlagen sofort nach Einsicht und Erledigung wegschmeiße. Würde später noch einmal Bedarf daran sein, könne man sich ja an den Aussteller, die Bank etc. wenden. Die Fälle wären bei ihm aber absolute Rarität. Er erspare sich jede Verwaltung.

Die Vorstellung hat mich damals ganz außerordentlich phänomeniert. Allerdings wäre es eher kühn gewesen, auch Unternehmen, Behörden, Gerichten und zum Beispiel Gesundheitsämtern anzuraten, auf Aktenordner und Büroregale zu verzichten. Seither haben sich Digitalisierung, Internetnutzung und Dokumentenhändling nun aber weiterentwickelt. Und das haben etliche offenbar nicht mitbekommen, wie man den Eindruck haben muss. Und was mir absolut schleierhaft ist.

Ich bin leider nicht Meister aller Klassen, hatte aber Glück, Gelegenheit und Vergnügen, in einem mittleren Handwerksbetrieb Einführung und Entwicklung der EDV über Jahre zu begleiten und zu koordinieren. Was nicht jeder hat. Aber den Kopf total in den Sand zu stecken, ist sicher keine akzeptable Alternative.

Ich habe noch genau vor Augen, wie unser Firmencomputer damals nach wochenlanger Erfassungsarbeit erstmals eine komplette Kundenliste ausspuckte. Auf grün-weiß liniertem Endlospapier, alphabetisch sortiert, was ich mir zunächst nächtelang unters Kopfkissen gelegt habe. So begeistert war ich.

Inzwischen sind wir weiter, nur leider viele öffentliche Einrichtungen offenbar nicht. Bemerkenswert finde ich das Buch von Knispel über die verwalterische Rückständigkeit in der deutschen Gerichtsbarkeit. Staatsanwälte und Richter, die tagein tagaus massenweise Aktenordner durch die Gänge spazieren tragen und fahren. Ich bin kein Profi. Aber wie es zu derartigen Defiziten und solchem Nachholbedarf kommen kann, bleibt mir ein Rätsel.

Vielleicht mit einem Satz noch zu Trude und mir, was unsere private Aktenverwaltung  anbelangt. Sämtliche Mails und sämtliche Bankbelege archivieren wir ausnahmslos online. Eingehende Post und eingehende Rechnungen werden gescannt und in die Cloud geschickt. Alles ist über Jahrzehnte auf allen devices zugriffig. Aktenordner gibt es praktisch gar nicht. Zumindest das müsste auch überall anders so laufen. Von der Datenverarbeitung noch ganz abgesehen.

(Foto adobe stock 167977849 pixelrobot)

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